DIÖZESANVERBAND BERLIN

"gerecht"

"Die kfd ist der festen Überzeugung, dass eine wirkliche Erneuerung der Kirche nur gelingt, wenn Frauen alle Dienste und Ämter offen stehen."

Herzliche Einladung zum Vortrag "gerecht" von Angelika Fromm, Mitbegründerin des Netzwerks Diakonat der Frau und Ausstausch und Diskussion.

Beginnen werden wir den Abend mit einer Andacht in St. Ansgar um 18:00 Uhr.

Wir freuen uns auf Sie.

„Frischer Wind in die Kirche“

Einen eigenen Wortgottesdienst feierten Frauen vom Aktionsbündnis Maria2.0 und der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) vor den Stufen von St. Matthias in Berlin. Während und nach der Priesterweihe demonstrierten sie für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. Glückwünsche - auch für Erzbischof Heiner Koch zu seinem 40. Weihetag und Geburtstag - und eine weiße Rose gab es für ihn und die fünf Neupriester.

„Frauen ist es in der katholischen Kirche immer noch nicht möglich, ihr spirituelles Wirken voll auszuleben“, schrieben die Demonstrantinnen zu den Glückwünschen für die fünf Neugeweihten. „Und damit beschneidet sie sich selbst täglich sehr schmerzhaft. Sie verliert sichtbar ihre weltliche und spirituelle Bedeutung. Die Menschen verlieren damit auch einen wichtigen Weg zu Gott und zu anderen Menschen.“

Die Demonstrantinnen wollten mit ihrer Aktion „frischen Wind in die Kirche“ bringen; doch eilten die Neupriester nach dem Weihegottesdienst schnell an ihnen vorbei in die Sakristei. „Ohne Weihen für UNS seid IHR dem Untergang geweiht“, hatte eine junge Frau auf ihr Plakat geschrieben. Auf einem anderen Plakat stand: „Alle Menschen sind gleich. Vor Gott, vor Gericht, nicht in der kath. Kirche.“

„In Christus seid ihr alle eins" war das Motto der Wort-Gottes-Feier. Mit selten vorgetragenen biblischen Lesungen sollte auf ungewohnte Weise „das Feuer der biblischen Botschaft neu entfacht“ werden. Der Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Galatien gipfelt in der Aussage: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid eins in Christus Jesus.“

Im Johannesevangelium bekennt Marta: „Ja, Rabbi, ich glaube, dass du der Messias bist, der Erwählte Gottes, der in die Welt kommt.“ Dieses Messiasbekenntnis einer Frau steht nach Meinung der Demonstrierenden dem des Petrus in nichts nach.

Im Gebet erinnerten die Frauen daran, dass durch Taufe und Firmung Männer und Frauen gleich- und vollberechtigte Mitglieder der Kirche seien. „Durch partnerschaftliches, gleichberechtigtes Miteinander in allen Diensten und Ämtern können sie an der Erneuerung und Zukunft der Kirche mitarbeiten.“ Dafür erbaten sie sich Kraft und Zuversicht.

Gemeinsam bekannten sie: „Wir glauben an eine Kirche, die als Gemeinschaft die Kraft zur Erneuerung und zu grundlegenden Reformschritten hat.“ Dazu sollten „nach vielen Worten nun Taten folgen“. Denn wenn eine Frau den Jüngern als Apostelin vorausging, sollten Frauen auch zur Apostelnachfolge gerufen sein.

Walter Plümpe, 13.06.2020

Fünf Männer wurden heute in St. Matthias zu Priestern geweiht. Und Frauen? Leider nein. Aber die trafen sich vor der Kirche und forderten die volle Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche sowie den Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche. Denn es ist keineswegs nachvollziehbar, dass den Frauen auf Grund ihres Geschlechts Dienste und Ämter verwehrt werden. Sie sind ebenso Ebenbild Gottes wie die Männer, deshalb kommen ihnen die gleiche Würde und Rechte zu. Eine Benachteiligung darf es nicht geben. Das drückten die mitgebrachten Plakate sehr deutlich aus.

Der stille Protest der Frauen begann mit einem Gottesdienst vor dem Haupteingang der Kirche. Texte der Bibel belegen, dass Jüngerinnen Jesu nachfolgten bis zum Kreuz und dass sie als Apostelinnen das Wort Gottes verbreiteten und Gemeinden leiteten.

Die Frauen wareteten gedulig bis zum Ende der Priesterweihe vor der Kirche. Sie weckten die Aufmerksamkeit der Passanten, denn es war Markttag, und kamen mit ihnen ins Gespräch. Den Neupriestern übermittelten sie ihre Glückwünsche und gratulierten dem Erzbischof zu seinem 40. Priesterjubiläum und zu seinem Geburtstag. Mögen sie offen sein für die Anliegen der Frauen, sonst sind die Kirchen in Zukunft so leer wie zu Coronazeiten.

Angelika Streich

Gottesdienst in Corona-Zeiten

Seit Monaten erleben wir auf Grund der Coronapandemie, wie unser Leben durch einen unbekannten Virus beeinträchtigt wird. Vieles war und ist plötzlich anders: keine Veranstaltungen mehr, keine Kontakte, immer schön zu Hause bleiben, Abstand halten, Masken tragen, und, und... Auch alle Gottesdienste wurden abgesagt. Mit viel Kreativität wurden verschiedene Formen gefunden und angeboten,so dass wir auf Gottesdienste nicht verzichten mussten. Einige kfd-Frauen haben ihre Erfahrungen wie sie Gottesdienst er- bzw. gelebt haben, aufgeschrieben:

Inge L.

Ich habe die Sonntagsgottesdienste am Computer oder Fernsehen mitgefeiert und kräftig mitgesungen. Ansonsten bestand mein "Gottesdienst" im Unterstützen und Ermutigen von Frauen, die verzagt waren. Auch dürfte ich die Schutzmasken der kfd-Nähaktion aus Marienfelde und Lankwitz nach Rudow transportieren und war froh, dass ich nicht nähen musste. Während des Fastenmonats Ramadan hatte ich jeden Abend mit meinem Mitbewohner Saheb beim Fastenbrechen interreligiöse Gebete und Gespräche.

Unsere Gruppe "Bibel Teilen" in der Gemeinde Vom Guten Hirten entschied sich spontan, das Bibel Teilen draußen "auf dem Wege" zu begehen. Wir beteten auf dem Kirchplatz, hörten das Sonntagsevangelium und "teilten " es zu zweit bei einem Spaziergang um den Klosterteich.

Der Geist weht, wo er will!

Ursula S.

In unserer Gemeinde Vom Guten Hirten haben es junge Erwachsene und unser Pfarrer möglich gemacht, jeden Sonntag eine Youtube – Übertragung eines Gottesdienstes aus unserer Kirche zu senden. Das war sehr schön und viele Gemeindemitglieder haben so doch gemeinsam Gottesdienst feiern können. An einem Sonntag wurde auch ein ökumenischer Gottesdienst aus der evangelischen Dorfkirche in Berlin Lankwitz mit der dortigen Pfarrerin und unserem Pfarrer im ZDF übertragen.

Da an den bisherigen Sonntagen nur je Heilige Messe 50 Personen teilnehmen durften, wurde auch noch der Gottesdienst um 11.00 Uhr über Youtube zur Entlastung angeboten. Als noch keine Gottesdienste stattfinden durften, hatte unser Pfarrer jeden Tag von 16.00 – 18.00 Uhr die Kirchentür für ein stilles Gebet geöffnet. Das wurde auch gut angenommen.

So langsam werden ja die Vorschriften etwas gelockert, evtl. besteht ja dann auch wieder die Möglichkeit sich mit den kfd-Frauen zu treffen?? Warten wir es ab.

Edeltraud

Es war schon, als wäre die Zugbrücke hochgezogen, wie vor Jahrhunderten, als die Pest oder andere Seuchen die Menschen heimsuchten und belagerten.

Natürlich hinkt der Vergleich, aber ein unsichtbarer Feind setzt zu, bringt das Gemüt durcheinander.

Mein Mann und ich haben den Garten umgekrempelt, neu gestaltet, bis das Kreuz sich meldete.

Und sprituell wurden wir nicht zum Selbstversorger durch die bewegenden Gottesdienste im Fernseher. Da saßen bei mir die Tränen, wenn der Geist spürbar über allem war.

Dieses erzwungenes Innehalten machte viel mit mir. Es gab eine Reihe von Büchern, die gelesen werden wollten.

Meine Kinder baten darum, meine Erinnerungen an das Kriegsende, als damals sechsjährige endlich aufzuschreiben, was geglückt ist.

Pfingsten sind wir abgerückt nach Brandenburg mit einem Gedicht von Friedrich Rückert, um zu feiern.

"Zu Pfingsten sang die Nachtigall als ob sie Tau getrunken

Die Rose hob beim hellen Schall das Haupt das ihr gesunken

O kommt ihr alle trinkt und speist Ihr Frühlingsfestgenossen

Wo übers irdisch Mal der Geist des Herrn ist ausgegossen "

Bis zum hoffentlich baldigen Wiedersehen.

Doris Sch.

Vom 11.03. bis 10.05.20 war ich zur Reha in Bad Gottleuba in Sachsen. Ich hin dankbar, dass ich ausgerechnet in dieser Hochphase von Corona dort sein könnte. Dankbar bin ich auch für die vielen guten Gottesdienstangebote im Fernsehen, besonders die ök. Gottesdienste aus meiner Wahl-Heimatgemeinde Maria Regina Martyrum.

Erstaunt war ich, dass ich die Kommunion so wenig vermisst habe! Mein Bedürfnis nach Gottesdienst war gross! Gemeinsam singen und beten war mir sehr wichtig! Am Karfreitag verstarb dann auch noch überraschend mein Chorleiter Johannes an Komplikationen nach einer Blinddarm OP. Wie könnte/sollte ich Ostern feiern?

Da treffen von mehr als 2 Personen zu der Zeit auch bei uns in der Klinik verboten waren, habe ich mich mit nur zwei weiteren Mitrehabilitanten zur Feier der Osternacht am Ostersonntag Morgen um sechs Uhr verabredet.

Ich habe die Andacht (Christus-Ikone, die Osterkerze, weitere Osterkerzen, Weihwasser im Fläschchen, Lieder, Gebete, Texte) vorbereitet. Letztlich waren wir dann zu fünft im Raucherhäuschen auf dem wunderschönen Gelände der Klinik. Es war eine sehr bewegende Osterandacht. Keiner hat es bereut, so früh aufgestanden zu sein. Zum Schluss sangen und tanzten wir "Oh happy day" auch im Gedenken an Johannes, meinen verstorbenen Gospelchorleiter. Wir zogen singend und tanzend mit unserer Osterkerze übers Gelände zum Frühstück, erregten viel Aufmerksamkeit und riefen immer wieder: "Freut euch, Jesus lebt!" Viele waren traurig, weil sie gerne dabei gewesen wären.

Mein Fazit aus der gottesdienstlosen Zeit:

Mit kommt es nicht mehr so sehr auf die Eucharistiefeier und den Kommunionempfang an. Das "Wort Gottes" ist mir viel wichtiger geworden. In der Bibel heißt es:

"AM ANFANG WAR DAS WORT UND DAS WORT WAR BEI GOTT ...."

Ich freue mich dann um so mehr, wenn ich wieder einen "guten" Gottesdienst mit Eucharistiefeier erleben darf! Einen Gottesdienst von einem Priester mit einer Predigt "ohne Sinn und Verstand " bin ich nicht mehr bereit zu ertragen, nur weil er ein "geweihter Mann" ist! Da werde ich zukünftig aufstehen, widersprechen oder protestierend den Gottesdienst verlassen.

Ich schäme mich inzwischen für Christen, die den Empfang der Kommunion über das Wort Gottes stellen! Das muss sich in unserer Kirche ändern!

Fronleichnam 2020

Anne B.

Ich war anfangs fast etwas erschlagen von der Fülle der Angebote im Internet. Eine Fülle von Übertragungen, Live-Streams etc. Bei manchen Sachen habe ich mal reingeschaut, um zu gucken, wie das so ist, bei anderen habe ich es gleich sein lassen. Live-Streams von Privatmessen habe ich mir gar nicht angeschaut. Und auch später kaum mehr Gottesdienste im Internet angesehen – eher im Fernsehen.

Ich habe auch von Freund_innen und Bekannten Links zu Gottesdiensten zugesandt bekommen, das war auch dann das Besondere in dieser Corona-zeit: ich hätte über das Internet auch an einem Gottesdienst in Freiburg oder woanders teilnehmen können. Aber nach meiner Einschätzung sind die Live-Streams und Online-Angebote hauptsächlich etwas für die eigene Gemeinde. Von unserer Gemeinde gab es keine Gottesdienste im Internet, aber ich merke, wie ich mich gefreut habe, als es eine Sonntagsmail von unserem Pfarrer gab. Und beim ersten Gottesdienst nach Corona habe ich das auch als das besondere und schönste empfunden: wir können wieder in unserer Gemeinde zusammen sein. Und das sind zum Teil Leute, mit denen mich nichts anderes verbindet als die Zughörigkeit zur gleichen Gemeinde, ich bin mit ihnen über die Gemeindeaktivitäten hinaus nicht befreundet o.ä.

Ich fand die Ökumenischen Gottesdienste im rbb wirklich sehr gut. Durch die ökumenische und interreligiöse Beteiligung ist eine Gemeinschaft entstanden, die für mich teilweise, die begrenzte Anzahl der Gottesdienstfeiernden wieder aufgehoben hat. Schade, dass es dann ausgerechnet zu Karfreitag und Ostersonntag keine ökumenischen Gottesdienste gab. Das wäre aus meiner Sicht ein deutliches Zeichen gewesen: das höchste Fest der Christenheit wird ökumenisch gefeiert.

Einmal habe ich mir in Internet auch eine Wortgottesfeier der kfd von Ulrike Goiken-Huismann und Monika Altenbeck angeschaut. Das war inhaltlich ein guter Gottesdienst, aber nur zwei Frauen zu sehen, das war für mich dann irgendwie doch kein Gottesdienstgefühl. Es gab aber von der kfd auch Vorschläge für Gottesdienstfeiern zuhause, wir haben unsere familiäre Gründonnerstagagape nach diesem Vorschlag gefeiert, das fand ich einen sehr gelungenen Gottesdienstvorschlag.

An den Kar- und Ostertagen haben wir als Familie Hausgottesdienste gefeiert. Das war sehr schön. Ich habe gemerkt, dass meine Kinder im Gottesdienstfeiern zuhause sind, so dass das gut möglich war, obwohl es mit jugendlichen Kindern sonst vielleicht auch „peinlich“ ist zusammen Gottesdienst zu feiern.

Ich habe eher die persönliche Gemeinschaft in einer Gottesdienstgemeinde vermisst als die Eucharistie.

Und es beeindruckt mich, dass mein Studienfreund, der Pfarrer am Bodensee (Diözese Freiburg) ist, mir schrieb, dass sie dort nach Besprechung mit den Gemeindeteams erst mal bis zum Dreifaltigkeitssonntag Wortgottesfeiern gefeiert haben und keine Eucharistie. Und diese Wortgottesfeiern hat (vermutlich nicht alle, aber einen großen Teil) der Pfarrer gefeiert. Das finde ich ein gutes Signal, dass Priester nicht nur für Eucharistie zuständig sind. Er schrieb mir, dass z.B. der Gottesdienst zum Patrozinium meiner Heimatgemeinde durch die musikalische Gestaltung des Kirchenmusikers und seiner Frau (Gesang) sehr festlich war. Auch von einer Gemeindereferentin aus Ulm habe ich gehört, dass dort nicht gleich wieder mit Eucharistiefeiern begonnen wurde.

 

Weitere sehr interessante Erfahrungen können Sie nachlesen unter link sowie Interview mit Schwester Susanne Schneider

Predigerinnentag der kfd

12 Frauen. 12 Orte. 12 Predigten. Erster bundesweiter Predigerinnentag in der katholischen Kirche

Zum Tag der Apostelin Junia am Sonntag,17. Mai, werden erstmals 12 Frauen an 12 Orten in ganz Deutschland predigen

Zum Tag der Apostelin Junia (Sonntag, 17. Mai 2020) geht die kfd mit ihrer Forderung nach einer geschlechtergerechten Kirche dorthin, wo es an Gleichberechtigung bislang fehlt: In die katholischen Kirchen.

Der Gedenktag der Apostelin Junia für die Aktion ist laut Göken-Huismann, der Geistlichen Leiterin des kfd-Bundesverbandes, nicht zufällig gewählt: "Junia wird in der neuen Einheitsübersetzung von 2016 klar und deutlich Apostelin genannt. Ich freue mich sehr darauf, an ihrem Festtag zu predigen und quasi in ihrer Nachfolge das Wort Gottes zu verkünden."
Durch einen Übersetzungsfehler dachte man jahrhundertelang, es handele sich um einen Mann namens Junias. Die Einheitsübersetzung 2016 macht aus Junias endlich wieder Junia.

12 Frauen, die als Geistliche Leiterinnen oder Begleiterinnen in der kfd aktiv sind, werden am 17. Mai an 12 Orten bundesweit erstmals während einer Eucharistiefeier predigen - und damit deutlich machen, dass sie ihrer Berufung folgen.

Angelika Plümpe, unsere Geistliche theologische Begleiterin, predigt um 19:00 Uhr im Rahmen der Eucharistiefeier in der Heiligen Familie (Wichertstraße, Prenzlauer Berg). Die Predigt wird live auf der Facebook-Seite des kfd-Bundesverbandes gestreamt (facebook.com/kfd.Bundesverband)

link

Warum ich predige: Die Apostelin Junia hat vor 2.000 Jahren von ihrem Glauben an den Auferstandenen Zeugnis gegeben. Ich wünsche mir, dass in ihrer Nachfolge Frauen das heute laut und deutlich vor der Gemeinde tun können.


75 Jahre Kriegsende

In diesem Jahr wurde am 08. Mai an das Ende des 2. Weltkrieges vor 75 Jahren erinnert. Trotz Corona fanden zahlreiche Verantaltungen, Kranzniederlegung, Gottesdienste, Glockenläuten Friedensgebete statt, ohne Beteilung von Zeitzeugen und Publikum.

 

Einige kfd-Frauen, die vor 75 Jahren das Ende des Krieges als Kinder erlebt haben, erinnern sich.

Ulli Klerx

Vor 75 Jahren Erste Heilige Kommunion

Erinnerungen an den April 1945

Eigentlich sollten wir 7-jährigen Zwillinge erst 1946 zur Erstkommunion gehen - aber unsere Eltern änderten ihren Entschluss. Mit unserer ein Jahr älteren Schwester, die schon lange zum Erstkommunionunterricht ging, wurden wir in nur zwei Wochen auf dieses Fest vorbereitet. Unsere Eltern befürchteten nämlich, dass die immer stärker werdenden Luftangriffe uns töten würden. Sie meinten, dass wir Kinder dann - durch die Erstkommunion - als Engel sterben würden.

Unsere Oma war Schneiderin und nähte aus Fliegerseide die weißen Kleider für uns drei Mädchen. - Diese Seide hatte eine stumpfe und eine glänzende Seite. Die glänzende Seite wurde nach innen genäht, damit uns die Flugzeuge nicht „orten“ konnten. Die Kirche St. Josef in Tegel lag in Schutt und Asche. Der Pfarrer wurde verschüttet und konnte lebend geborgen werden. Provisorisch wurde die 1. Etage einer Tischlerei als Notkirche hergerichtet.

Der Weiße Sonntag, der 8.4.1945 kam und die hl. Messe konnte ungestört gefeiert werden. Kurz vor dem Segen riefen plötzlich Männer: „Sofort den Raum verlassen. Die Wände und der Boden knistern.“ Alle stürmten aus dem überfüllten Raum die Treppe hinunter. Zum Glück brach das Haus nicht zusammen. Am Nachmittag gab es Fliegeralarm. Mit Kirschtorten hasteten wir in den Luftschutzkeller, wo schon viele Nachbarn saßen. Sie waren der Meinung, mit uns drei Engeln könnte uns allen nichts passieren. Und so war es auch.

Vierzehn Tage später wurde unser Opa vor seinem Haus von den Russen erschossen. Er schleppte sich noch in den Keller und starb mit dem Rosenkranz in der Hand…

In einem schnell gezimmerten Sarg wurde er auf einem Leiterwagen zur zerbombten Kirche gefahren. An der Außenmauer der Kirche wurde unser Opa begraben. Wir drei Mädchen begleiteten ihn mit unseren weißen Kleidern auf seinem letzten irdischen Weg.

Der süße Duft der blühenden Kirsch- und Apfelbäume blieb in meiner Erinnerung hängen.

Jeder April erinnert mich daran, dass Tod und Leben zusammengehören - aber das Leben siegt.

Am 27. Dezember 1948 wurden meine Zwillingsschwester und ich im Alter von 11 Jahren in einem Rosinenbomber ausgeflogen. Wir kamen in ein kleines Eifeldorf. Meine Schwester kam zu einer Lehrerfamilie, ich zu einer Familie, die ein kleines Lebensmittelgeschäft betrieb. Uns ging es dort gut. Im Juli 1949 kehrten wir nach Berlin zurück. Im Juli 1965 habe ich den Sohn des Lehrers geheiratet.

 

Gertraud Tochtermann

Erinnerungen an das Kriegsende 1945

Im Mai 1945 war ich 7 ½ Jahre alt. Das Kriegsende habe ich nicht in Berlin verlebt, sondern mit meiner Mutter und meinen zwei jüngeren Geschwistern in einer kleinen Stadt im damaligen Sudetengau, in Deutsch-Gabel. Meine Mutter ging 1943, als die Bombenangriffe in Berlin immer gefährlicher wurden mit uns in ihre Heimat zurück. Mein Vater war im Kriegsdienst

Der Krieg war für uns auf einmal weit weg. Bombenangriffe gab es dort nicht. Wir konnten nur die feindlichen Jagdflieger am Himmel beobachten, und noch heute fällt mir das sofort wieder ein, wenn ich Kormorane fliegen sehe. Als Dresden im Februar 1945 brannte, konnten wir den Feuerschein sehen. Die „friedliche Idylle“ war vorbei, als im Frühjahr „feindliche“ Truppen, erst Polen, dann Russen durch die Stadt zogen und mit ihnen viel Unheil. Wir sind noch gut davon gekommen, weil meine Mutter ihre Kinder um sich versammelte und kleine Kinder eine gewisse Schranke waren und Schutz boten. Außerdem konnte meine Mutter tschechisch sprechen und sich daher auch mit den Polen und Russen verständigen, was eine große Hilfe war. Ich erinnere mich noch daran, dass ein Russe von meinem Onkel, bei dem wir wohnten, eine wertvolle Taschenuhr für sich einforderte, dass auf der Straße tote Pferde lagen, wo die Menschen sich Fleisch holten (Nahrungsmittel waren ja knapp) und dass im Nachbarhaus „Schreckliches“ passiert sein sollte. Ich erinnere mich, dass ich oft Angst hatte.

Als dann die Tschechen die Stadt in Besitz nahmen, begannen die Massentransporte. Die deutschen Einwohner mussten die Stadt verlassen, viele Menschen starben. Meine Mutter, die einen tschechischen Vater vorweisen konnte, erreichte für uns eine längere Bleibefrist. Mein Vater kam zurück, er hatte es geschafft, sich zu uns durchgeschlagen. Er machte sich dann nach Berlin auf, um für uns eine Unterkunft zu suchen, weil wir in den letzten Kriegstagen durch deutsche Granaten „ausgebombt“ worden waren. Er kam unbeschadet und rechtzeitig zurück. Im Juli 45 konnten wir den Rückweg nach Berlin antreten.

Per Pferdewagen ging es zur deutschen Grenze bei Zittau und weiter mit der Bahn, in Viehwaggons, Kohlewagen und Loren nach Berlin. Für mich war das eine Fahrt voll Angst und Schrecken: die Waggons dicht gedrängt voll Menschen, viele „Haltestellen“, an denen durch fremde Soldaten „kontrolliert“ wurde. Oft wurde meine Mutter vorgeschickt, um mit jenen zu reden und größeres Unheil abzuwenden. Dafür bewundere ich sie noch heute. Viel Angst hatte ich auch, wenn meine Vater bei Halten der Bahn wegging, um etwas zu essen für uns zu besorgen, Angst, dass der Zug ohne ihn weiterfahren würde. Es ging aber immer gut. Ich sehe mich noch hoch oben, auf Kohlestücken sitzend, begeistert rohen Blumenkohl essend.

Sieben Tage dauerte die Fahrt, (meine Erinnerung). Dann kamen wir endlich gegen Abend in Berlin an, wahrscheinlich Schlesischer Bahnhof (heute Ostbahnhof). Wegen der Ausgangssperre 19:00 Uhr mussten wir schnell eine Bleibe finden. Bei einer Tante, die in erreichbarer Nähe wohnte, fanden wir Unterschlupf. Wir zogen mit 5 Personen und einem Leiterwagen voll Gepäck in eine 1-Zimmer-Wohnung zu ihr. Am nächsten Tag ging es zu Fuß quer durch Berlin zu unserer „neuen Wohnung“, ebenfalls nur 1 Zimmer, Toilette eine halbe Treppe tiefer. Die lange Abenteuer-Reise nach Berlin mit all meinen Ängsten war mein einschneidendstes „Kriegserlebnis“ und hat vieles verdrängt, was ich in Deutsch-Gabel erlebt habe, auch einmalige Ereignisse wie meine Einschulung oder die Feier der Erstkommunion.

Maria Lulkiewicz

Meine Befreiung in Johannisthal
1945 war ich sechs Jahre alt und lebte in Berlin. In den letzten Kriegstagen war meine Mutter mit drei Kindern Tag und Nacht  im Bunker. Das war wie im Wartezimmer: eng, dunkel und langweilig. Einmal verließ meine Mutter mit mir den Bunker, um nach Hause zu laufen. Die Straße war menschenleer, als Tiefflieger über uns brausten. Fest an der Hand meiner Mutter, warfen wir uns auf den Boden. Meine Mutter war voller Angst. Es blieb der einzige "Ausflug" aus dem Bunker.
Endlich gingen die großen Bunkertüren auf. Die Menschen strömten nach draußen. Dort erwartete uns ein Spalier von Sowjetsoldaten. Ein großer, schlanker Soldat schenkte mir eine Packung Kekse. Das war meine erste Begegnung mit einem Russen.
Die zweite Begegnung folgte bald. In unserer Straße lagerte eine große Gruppe Soldaten. Einer kam in unseren Garten und sagte: Sie haben 10 Minuten Zeit, nehmen sie, was sie brauchen und verlassen sie das Haus. Freundliche Nachbarn haben uns aufgenommen. Der Koch der Truppe brachte uns jeden Tag eine Riesenschüssel Suppe. Nach 2 bis 3 Tagen kam der Marschbefehl und wir konnten wieder nach Hause. Auf dem Küchentisch sah es nach schnellem Aufbruch aus und seitdem zierte unseren Haushalt ein Messer mit dem Aufdruck "Hotel Adlon" -
Die Zeit ohne Bomben, ohne Bunker und in Vorfreude auf die Einschulung war wunderbar.

Ursel Wenzel 

1945 in Berlin

1938 wurde ich in Berlin Lichtenberg geboren.

Als Anfang 1944 die Bombenangriffe auf Berlin immer öfter und stärker wurden, brachten mich meine Eltern zur Cousine meiner Mutter nach Buckow bei Beeskow in die Mark Brandenburg. Hier wurde ich dann auch im Herbst 1944 in einer Ein-Klassen-Schule eingeschult. Diese Schule bestand aus einen Raum mit ansteigenden Sitzreihen, in dem alle Jahrgangsstufen gleichzeitig parallel von einem Lehrer unterrichtet wurden.

Als die Front immer näher kam, etwa nach einem halben Jahr, holten mich meine Eltern aus Sorge vor einer eventuellen Trennung durch die Kriegseinwirkung zurück nach Berlin und ich wurde in Berlin Baumschulenweg ein 2. Mal eingeschult. Wegen der zunehmenden Fliegerangriffe auch am Tage wurde der Schulweg von Tag zu Tag immer gefährlicher.

Wir hatten große Angst vor den ständigen Tieffliegern, die auf alles schossen, was sich bewegte.

14 Tage vor Kriegsende wurde mein Vater noch eingezogen. Er kam aber nur bis Frankfurt/Oder und von dort für 2 lange Jahre in Gefangenschaft nach Sibirien.

Viele Menschen hatten in dieser Zeit Angst, packten ihre Habe auf einen kleinen Handwagen und machten sich auf den Weg zu anderen Verwandten, oder einfach nur in Richtung Westen.

So überlegten auch wir, es den anderen gleich zu tun. Ich wehrte mich mit Händen und Füßen und wohl auch mit mörderischem Geschrei. Wir blieben.

Der Verlust unserer gesamten Habe, schlimme Fluchterfahrungen und vielleicht auch der Tod durch Verhungern blieben uns dadurch erspart.

In den letzten Kriegstagen rückten die Familien noch mehr zusammen und so zogen meine Mutter und ich zu den Großeltern nach Berlin Johannisthal.

Währen der Fliegerangriffe machten wir uns nur einige wenige Male auf den Weg in den Bunker Dieser war ca. 3km entfernt und oft reichte die Alarmzeit nicht aus, um ihn vor Beginn des Angriffes zu erreichten. Wer zu spät kam, stand vor den verschlossenen Türen des Bunkers.

Weil die Erwachsenen glaubten, der im Haus befindliche Luftschutzkeller sei bei einem Bombentreffer nicht sicher, baute sich die Bewohner eines Teils unserer Straße einen provisorischen Luftschutzraum unter der Straßenbrücke, die über einen kleinen, ausgetrockneten Abwasserkanal führte. Dieser Raum bestand aus einem großen Rohr, hatte einen Durchmesser von ca. 1,20 m und war von der Erwachsenen nur in gebückter Haltung begehbar. Da lagen dann alle Bewohner dicht bei dicht auf Matratzen nebeneinander und versuchten ihre Angst zu verbergen.

Kein Mensch hatte etwas dagegen, dass ich mit einem Holzhund und mit unserer ängstlichen Katze unterm Arm erschien.

Viele bange Minuten und Stunden verbrachten wir dort. An manchen Tagen und Nächten mussten wir 4 bis 5 x in diesen Luftschutzraum.

Dann hörten die Bombenangriffe mit einem Mal auf.

Man sagte, das Kriegsende rückt näher. Keiner wusste, was das für uns hieß.

Gemeinsam gingen wir in die hauseigenen Luftschutzkeller, die mit Betten und Liegen ausgestattet wurden je nachdem, was jeder hatte. Dort kampierten wir dann und harrten gemeinsam der Dinge, die da kommen würden.

Aus der Ferne hörten wir eine im Gleichschritt marschierende Kolonne – das waren die abziehenden deutschen Soldaten und dann kamen die Russen.

Alle jungen Frauen verbargen sich aus Angst vor ihnen unter der Bettdecke. Die alten Frauen und wir Kinder schauten neugierig auf die russischen Soldaten, die da plötzlich in unserer Kellertür standen.

Wir freuten uns über ihre Botschaft, dass der Krieg nun aus sei. Diese Botschaft brachte uns ein Offizier, der uns auch gleichzeitig versicherte, dass seine Soldaten niemandem etwas tun würden. Gäbe es Beschwerden sollte wir uns bei ihm melden.

Kurz darauf stellte meine Großmutter fest, dass ein Soldat in unserem eigenen Keller eingedrungen und dabei war alle ersparten Vorräte, die wir dort hatten, zu stehlen. Meine Großmutter ging zu dem Offizier und berichtete ihm davon. Wenig später hörten wir einen Schuss.

In die Wohnung meiner Großeltern quartieren sich Mongolen ein. Meine Mutter musste für sie kochen und dafür bekamen wir Lebensmittel.

Langsam wagten wir uns auf die Straße. In unserer Gegend war nichts zerstört aber in den ersten Tagen lagen auch hier Leichen auf der Straße und man versuchte uns Kinder von diesem Anblick fernzuhalten.

In den ersten Wochen nach Kriegsende war es sehr schwierig an Essen heran zu kommen und so machten sich meine Mutter und mein Großvater täglich auf den Weg zum Bahnhof Berlin Schöneweide, wo immer wieder Güterzüge mit Lebensmitteln ankamen, von denen sie manchmal etwas ergattern konnten.

Diese Ausflüge waren sehr gefährlich, denn immer wieder kam es vor, dass die Russen alle Menschen, die zufällig in einem bestimmten Bereich der Straße waren, einsammelten, um Arbeitstransporte nach Russland zusammen zu stellen. Wir waren immer froh, wenn Mutter und Großvater wieder zu Hause waren.

Ich ging oft zu den Russen und bekam in einem Essgeschirr eine fette Fleischsuppe, die für die ganze Familie reichte.

Wir Kinder erinnerten die Soldaten wohl an ihre eigenen Familien in der fernen Heimat.

 

Rosemarie Rietz

Kriegsende 1945 / Die Stunde der Frauen

Die letzten Kriegsjahre verbrachte ich mit meiner Mutter und meinem jüngeren Bruder bei meinen Großeltern mütterlicherseits im schlesischen Kreis Groß Wartenberg an der polnischen Grenze. Anfang Januar 1945 ließ das Vorrücken der sowjetischen Armee es angeraten sein, die Stadt zu verlassen und den Weg nach Leipzig anzutreten. Die Reise begann bei minus 25° C auf einem offenen Pferdewagen über vereiste Straßen. Mehrmals mussten die Wagen anhalten, weil die Pferde keinen Halt auf den Straßen fanden. Die erste Station war Oels, wo wir in einem Krankenhaus übernachteten. Weiter ging es mit der Bahn nach Dresen und Moritzburg zu einer Freundin meiner Mutter. Hier erlebten wir, wenn auch aus der Entfernung, den Luftangriff auf Dresden am 13./14. Februar 1945, der mir bis heute in Erinnerung ist. Die nächste Station war Riesa an der Elbe. Von einem Fliegerstollen aus erlebten wir den Einmarsch der sowjetischen Armee, die mit viel Schwung und Peitschenknallen ihr neues Gebiet übernahm.

Den weiteren Weg hat meine Mutter mit uns zu Fuß hinter sich gebracht. Mein 1 ½ jähriger Bruder wurde im Kinderwagen geschoben, mit einem Gurt über der Schulter zog meine Mutter einen Handwagen mit unseren Habseligkeiten hinter sich her. Über Torgau gelangten wir nach Wurzen an der Mulde. Hier mussten wir die Grenze zwischen der amerikanischen und der sowjetischen Armee überschreiten. Leipzig erreichten wir an der südlichen Grenze und marschierten durch die ganze Stadt bis nach Gohlis im Norden. Von einem kleinen Park aus konnte meine Mutter erkennen, dass unser Haus nicht zerstört war. Was muss sie ausgestanden haben, bis sie das feststellen konnte. Das Haus stand zwar, die Fenster waren mit Pappe vernagelt, aber die Glasfenster standen unversehrt im Keller. Wir hatten also ein Dach über dem Kopf, im Gegensatz zu vielen anderen Flüchtlingen.

Wie sie die Zeit, mein Vater war in sowjetischer Gefangenschaft, mit zwei kleinen Kindern überlebt hat, nötigt mir bis heute höchsten Respekt ab. Zu Anfang des kalten Winters 1946/47 verlor sie die Marken für die Kartoffelzuteilung. Ein liebenswürdiger Nachbar, mit dem wir noch viele Jahre befreundet waren, versorgte uns mit Kartoffelschalen, die ausgekocht eine Suppe ergaben. Hamsterfahrten in die Umgebung Leipzigs gehörten zum täglichen Brot.

Sie bewältigte das Leben allein, bis am 27. Juni 1947 mein Vater zurückkam. Krank an Leib und Seele. Zwei Jahre verbrachte er in Krankenhäusern. Viele Male musste ich, mit einem Henkelmann bewaffnet, Essen hinbringen - zu Fuß.

1949 konnte mein Vater wieder ins Berufsleben eintreten. Meine Mutter hat wie die Mehrzahl der Frauen die Kriegs und Nachkriegsjahre in eigener Verantwortung bewältigt. Sie traten aus der traditionellen Frauenrolle heraus und lernten Selbstbewusstsein. Damit war es nach Rückkehr ihrer Männer aus dem Krieg vorbei. Diese beanspruchten ultimativ ihre erlernten Rollen zurück und drohten mit Scheidung bei Nichtbefolgung. So erging es meiner Mutter und einigen Frauen aus dem Kreis von Verwandten. Was sollten sie tun? Sei ergaben sich in ihr Schicksal und litten still.

Eigentlich müssten diesen Frauen die Denkmäler errichtet werden, die man den Männern errichtet hat.

Buchtipp: Christian Graf von Krockow „Die Stunde der Frauen“ Er beschreibt die Geschichte der Flucht seiner Familie vom pommerschen Gut Rumbske, jenseits der Oder bei Stolp. Großmutter, Mutter, und schwangere Tochter machten sich auf den Weg nach Westen. Es waren vor allem die Frauen, die für Hitlers Krieg zu büßen hatten. Ihre Tapferkeit und Stärke bei Flucht und Vertreibung ermöglichten das Überleben der Familien.

Tag der Diakonin - findet statt, aber anders

Auch wenn unsere Veranstaltung am Tag der Diakonin leider ausfallen muss, so findet der Tag der Diakonin statt, nur anders. Wir setzen uns weiter dafür ein, dass Frauen Zugang zu allen Ämtern haben, denn es gibt keinen tragfähigen theologischen Grund, warum nur Männern dieses Privelg zusteht.

Der kfd-Bundesverband lädt zu einer starken Präsenz auf Social Media ein. Machen Sie mit.

Informationen

Der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin unterstützt das Anliegen und hat ein Interview mit P. Max Cappabianca OP geführt. Der Dominikaner war bis Ende 2016 Mitarbeiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan und der Ostkirchenkongregation in Rom. Seit 2017 ist er Studierendenpfarrer der Katholischen Studierendengemeinde Berlin.

www.dioezesanrat-berlin.de/diakonin

Save the Date: Für den 03. September 2020 hat die Referentin Angelika Fromm (Mitbegründerin des Netzwerkes Diakonat der Frau) ihr Kommen zu gesagt und wird ihr Impulsreferat zum Thema "gerecht" halten bzw. nachholen.

eine gesegnete Osterzeit

mit Bildern, die am Ostersonntag vor der St. Joseph-Kirche in Berlin-Wedding entstanden sind von Aktivistinnen von maria 2.0.

ökumenischer Frauengottesdienst

mit „Regenmacher“ und „Triangel“

Eine gestaltete Lesung mit „Musik“ stand im Mittelpunkt des ökumenischen Frauengottesdienstes am Internationalen Frauentag in der Evangelischen Sophienkirche in Berlin-Mitte. Musik? Ein langes Regenmacher-Rohr und eine Triangel füllten die Pausen zwischen den biblischen Schöpfungserzählungen, die von der Schaffung des Menschen durch Gott berichten.

Danach vertiefte das poetische „Credo für die Erde“ von Dorothee Sölle die Sicht auf Gottes Schöpfung: „Ich glaube an Gottes gute Schöpfung, die Erde. Sie ist heilig, gestern, heute und morgen. Taste sie nicht an, sie gehört nicht dir und keinem Konzern. Wir besitzen sie nicht wie ein Ding, das man kauft, benutzt und wegwirft. Sie gehört einem anderen ...“

„Sing dir meine Lieder, Gott, du Schöpferin unsrer Welt, trage deine Liebe, Gott du Schöpferin unsrer Welt, will mein Herz verlieren ...“ sang die Gemeinde als Echo. Text und Musik: Kamabé, 2017. Im Refrain wurde Gott angesprochen als „Sonne unseres Lebens“, als „Sonne der Welt“. Die letzten Bitten: „Frag nach Heut´ und Morgen, blick auf Meer und Himmel, hör auf deine Stille, fliege durch die Wolken.“

Wähle das Leben, damit du lebst! Dieses Motto durchzog den von sechs Frauen vorbereiteten Gottesdienst. Auch mitten im kirchlichen Leben gelte es den Frauentag zu feiern. Dabei wurden in weiblichen Bildern Gottes unterschiedliche Seiten ausgeleuchtet. Christen seien eingeladen, das Heilige zu bewahren und zu hüten. Was jedem*r Einzelnen heilig ist, konnte auf Zettel geschrieben und in einem Fürbittgang vor dem Altar niedergelegt werden.

Der Mensch als Teil – nicht Krone – der Schöpfung. Eva als Mutter aller Lebenden. Das waren Ausgangspunkte, um patriarchalische Zuschreibungen einer diffusen Frauenrolle zu hinterfragen. „Lasst uns Mitschöpferinnen sein, indem wir das Heilige in den Mittelpunkt stellen“, war der Schluss-Appell. „So können wir alle 'Eva' sein.“

Vorbereitet und durchgeführt wurde der Gottesdienst durch Anne Borucki-Voß, Gundula Lembke, Gabriele Kraatz, Magdalena Möbius, Angelika Piniek und Angelika Plümpe.

Walter Plümpe, 08.03.2020

Synodaler Weg

Die katholischen Bischöfe haben auf ihrer Frühjahrskonferenz 2019 in Lingen den sogenannten „verbindlichen synodalen Weg“ beschlossen. Spätestens seid dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche hat sich die Glaubens- und Glaubwürdigkeitskrise verstärkt. Viele Gläubige sind unzufrieden. Viele haben die Kirche verlassen. Der „synodale Weg“ ist ein auf zwei Jahre angelegter Dialogprozess, der dazu beitragen soll Reformen anzustoßen und das verlorene Vertrauen und die Glaubwürdigkeit in der Kirche wiederzugewinnen.

Am Donnerstag, 30.01.2020 wurde die Synodalversammlung mit einem Gottesdienst im Frankfurter Dom eröffnet. Katholische Frauen hatten zu einer Demonstration vor dem Dom aufgerufen, gut sichtbar für die Bischöfe und Delegierten. Am Freitag feierten Frauen einen Wortgottesdienst im Dom, einen Gottesdienst von Frauen für Frauen und ohne Priester. Gekommen sind viele Frauen. Sie setzten ein Zeichen für Veränderung in der Kirche.

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sowie Hessenschau

30 Jahre Mauerfall

auf Initiative der Patoralreferentin Ingrid Müller aus Trier berichten drei Frauen aus Ostdeutschland für das Wochenblatt Paulinus (Ausgabe 44 vom 03.11.2019) und erzählen wie sie die Zeit um den 09. November erlebt haben:

Der Herbst 1989 war für Deutsche in Ost und West kein Herbst wie andere. Menschen flohen aus der DDR. Am 9. November fiel die Mauer in Berlin. Drei Frauen erinnern sich.

Von Ingrid Müller

In diesen Wochen jährt sich zum dreißigsten Mal der für Deutschland so geschichtsträchtige Herbst 1989. Die meisten werden sich gut an den Spätsommer des Jahres erinnern. Menschen aus der DDR flohen über Ungarn nach Österreich. Tausende verharrten in der deutschen Botschaft in Prag. Mit dem denkwürdigen Auftritt von Außenminister Hans-Dietrich

Genscher dort am 30. September begann die „heiße Phase“, die mit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November endete.

Im Bundesverband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) lernte ich einige

kfd-Frauen aus den östlichen Bundesländern kennen. Drei von ihnen skizzieren ihre Erinnerungen, und ich bin ihnen dankbar, dass sie uns teilhaben lassen. So können wir hier im äußeren Westen des Landes etwas von der Stimmung vor Ort erfahren, eventuell nachvollziehen.

Barbara Striegel aus Merseburg erzählt mir: „Seit der Grenzöffnung in Ungarn machte sich eine lähmende Stimmung breit. Etliche Menschen aus meinem Umfeld gingen in den Westen. Mit

drei kleinen Kindern kam das für uns nicht in Frage. Wir hatten einige Westbesuche machen können, die Kinder mussten zurückbleiben. Mich überforderte die laute und bunte Fülle im Westen irgendwie, so dass ich immer froh war, zurück in der DDR zu sein.

Dass es keine Gewalt gab, war wie ein Wunder. Im September begannen auch in Merseburg Montagsandachten und Demonstrationen. Als engagierte Katholiken hatten wir in unserer Gemeinde gewisse Rückzugsräume zur freien Meinungsäußerung. Schon in der Zeit der

40-Jahr-Feier der DDR am 7. Oktober war Unruhe in der Öffentlichkeit zu spüren, dann kam die

Großdemonstration in Berlin am 4. November. Wir verfolgten die West- und Ostnachrichten. Man wusste, dass Listen für geplante Internierungen kursierten. Dass während dieser Zeit keine Gewalt ausbrach, war wie ein Wunder. Die so schnelle Wiedervereinigung überraschte uns, weil es zunächst nur den Wunsch nach Reformen in der DDR gab. Für unsere Familie war es aber gut, besonders im Blick auf die Zukunft der Kinder. Außerdem hatten wir das Glück, nie arbeitslos zu werden. Erst im Nachhinein wurde das Ausmaß des Chaos bekannt und

wie runtergewirtschaftet die DDR war.“

Große Angst bei Montagsdemo

Frau M. aus der Nähe von Leipzig berichtet: „Für mich persönlich war die Zeit nicht leicht.

Freunde von mir und meiner Tochter hatten die DDR verlassen, und ich hatte Angst, die Tochter

und auch andere könnten die gleichen Gedanken haben. Für mich persönlich galt: Hier bist du hingestellt, hier hast du deine Aufgabe (ich war hauptamtlich in der katholischen Kirche angestellt), hier bleibst du. Die Montagsgottesdienste gab es schon seit Jahren. Ich musste

jetzt auch erleben, dass nach einem ganz normalen Sonntagsgottesdienst

um 17 Uhr in der Nicolai- Kirche die Polizei genau wie montags alles abgesperrt hatte. Die Montagsdemo, an die jetzt besonders erinnert wurde (9. Oktober) habe ich mit dem großen Gefühl der Angst in Erinnerung. Die Kirchen hatten eine Kirche als Zufluchtsort bereitgestellt, und wir fürchteten, dass aus einem dunklen Gebäude (sonst immer hell erleuchtet) heraus auf uns geschossen würde. Danach aber kam jeden Montag mehr Hoffnung auf. Es war eine Zeit, neu nachzudenken und viele Gespräche zu führen.“

Angelika Streich aus Berlin schreibt:

„Der Fall der Mauer kam für mich völlig überraschend. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass es die innerdeutsche Grenze nicht mehr geben würde. Die Wochen vor dem Mauerfall waren sehr spannungsgeladen. Am 40. Jahrestag der DDR mit Militärparade und Volksfest wurde auch demonstriert, es kam zu Festnahmen und Gewalt. Friedensgebete und Montagsdemonstrationen verliefen friedlich, doch immer war die Angst da, dass die Situation

eskaliert, es zu Gewalt und Militäreinsatz kommt. So auch bei der Großdemo am 4. November

auf dem Alexanderplatz; es ging um Reise- und Pressefreiheit und freie Wahlen. Es war die erste genehmigte Demonstration der DDR, und es kamen circa eine Million Menschen. Bei mir war die Angst wieder groß, dass die Situation eskaliert mit Gewalt und Verhaftungen. Mit zwei kleinen Kindern blieb ich zu Hause und verfolgte die Demo am Fernseher, mein Mann nahm daran teil. In der Gemeinde wurde die St.- Martinsfeier vorbereitet, die dann ausfiel – alle fuhren nach Westberlin.

Am 9. November sah ich mit meinem Mann in Köln die Tagesschau. Wir hatten eine Reisegenehmigung anlässlich des 60. Geburtstags meines Onkels. Die Nachricht von der Öffnung der Mauer konnte ich nicht glauben und fassen. Statt Freude machte sich Angst breit. Unsere Kinder waren im Ostteil Berlins bei der Oma. Wir haben sofort telefoniert, ob alles in Ordnung ist, ob sie mit den Kindern vielleicht nach Westberlin gefahren ist. Ich hatte Angst, dass die Mauer kurzerhand wieder geschlossen wird und wir unsere Kinder nicht mehr wiedersehen dürfen. Wir brachen unseren Aufenthalt in Köln sofort ab, fuhren zurück und machten kurz Halt in Westberlin, was normalerweise nicht erlaubt war.

Eine Stadt im Freudentaumel

Die Menschen waren noch immer im Freudentaumel. Ich war glücklich, mit der Familie Verwandte und Freunde in Westberlin besuchen zu können. DieAngst, dass die Mauer wieder errichtet würde, begleitete mich noch einige Zeit. Sehr gerne wäre ich am 9. November auf der Bornholmer Brücke dabei gewesen und hätte mitgefeiert, -gejubelt und -getanzt. Ich bin glücklich und froh, dass die Mauer gefallen ist und Deutschland wieder vereint ist, dass ich in einem freiheitlichen Land, in einem Rechtsstaat und in einer Demokratie leben kann.“

Sorgen wir dafür, dass das auch so bleibt.

Unsere Autorin Ingrid Müller

ist Pastoralreferentin in Trier.

Wortgottesdienstfeier zu maria 2.0 auf dem Bebelplatz

setzte Zeichen zur Erneuerung der Kirche

Erzbischof Heiner Koch: „Wir müssen als Kirche zusammen bleiben, statt uns zu trennen.“

Am Sonntag, den 03. November kamen ca. 150 Teilnehmer*innen trotz des Regens auf den Bebelplatz um Gottesdienst zu feiern und ein Zeichen für die Erneuerung der Kirche zu setzen. Bei der Begrüßung und Eröffnung des Gottesdienstes forderte Angelika Plümpe, theologische Begleiterin der kfd im Erzbistum Berlin: „Die unbiblische und menschenrechtswidrige Verweigerung der Gleichberechtigung gegenüber Frauen muss endlich beendet werden.“ Nur mit einer Ämteröffnung und voller Gleichberechtigung von Frauen in allen Funktionen werde es eine neue Glaubwürdigkeit für die römisch-katholische Kirche geben. „Eine Kirche, die zu den wichtigen Fragen und Themen gehört werden und glaubwürdig sein will, muss Geschlechtergerechtigkeit vorleben.“

Anne Borucki-Voss von Evas Arche ging in ihrer Ansprache auf die Erzählung von der Heilung der Tochter der Syrophönizierin ein. Man könne dieser Bibelstelle auch eine andere Überschrift geben. Die Frau, die Jesus belehrte. Dieser Perspektivwechsel machte ihr Mut, mit guten Argumenten Veränderungen zu bewirken: Begegnungen auf Augenhöhe mit Amtsträgern in der katholischen Kirche. „Dass Argumente ausgetauscht werden und nicht von vorneherein feststeht, wer Recht hat.“ Und wenn Jesus lernfähig sei, sollte auch die Kirche lernfähig sein, sich verwandeln zu lassen von Frauen, die anfragen, ob alle Regelungen denn wirklich im Sinne des Evangeliums sind.

In den Fürbitten wurde der Geist Gottes erbeten für die, die eine neue Ehe eingegangen sind, die einen Menschen gleichen Geschlechts lieben, die sich nicht in einem binären Geschlechtermodell oder in einer heteronormativen Lebensweise wiederfinden, die den Ruf zur Priesterin gehört haben und deren Berufung nicht gehört wird, die sich für Veränderungen einsetzen. Der trotz Regens gut besuchte Gottesdienst endete mit dem Segen Gottes, „den wir Vater, Sohn und Heilige Geistkraft nennen“.

Bei der anschließenden Begegnung im Kathedralforum stellte sich der Erzbischof Heiner Koch den Fragen der Teilnehmer*innen. Besorgt stellte er fest: „Ein Riss geht durch die Kirche“. Er skizzierte einige Schwierigkeiten hin zum synodalen Weg angesichts einander widersprechender Erwartungen an die Kirche. So betonte er die wertschätzende Glaubenswahrheit von der unterschiedlichen Sicht auf Mann und Frau. Auch verlange der Blick auf die Weltkirche und die Ökumene mit den orthodoxen Kirchen Rücksichtnahmen. Wichtig sei, als Kirche zusammenzubleiben und sich nicht zu trennen.

Dem widersprach Barbara John vom Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) entschieden: „Mit solchen Abwiegelungs-Argumenten muss jetzt Schluss sein. So was können Frauen nicht länger mittragen.“ Juliane Link, Referentin in der Katholischen Studierendengemeinde Berlins, fand viel Beifall für ihr Statement: „Dass es kein geweihtes Frauenpriestertum gibt, schränkt die beruflichen Möglichkeiten und die Sichtbarkeit von Frauen in der Kirche erheblich ein.“ Viele Studentinnen hätten die Sehnsucht danach, Diakonin oder Priesterin zu werden. Diese könnten sie aber nicht leben. „Das schwächt uns Frauen, die wir hauptberuflich für die Kirche arbeiten.“

In ihrer täglichen Arbeit merke sie, dass es gerade für junge Akademikerinnen immer schwieriger sei, sich mit einer Kirche zu identifizieren, die von patriarchalen Strukturen geprägt ist und Frauen marginalisiert. „Das entspricht nicht mehr dem Selbstbild der Studentinnen von heute.“ Viele der Studentinnen wünschten sich eine Kirche, mit der sie sich als emanzipierte Frauen identifizieren könnten. Dass sich junge Frauen und Männer in Zukunft wieder mehr mit der Kirche solidarisierten, könne nur gelingen, „wenn das Lehramt zu einem neuen Frauenbild findet und Frauen die gleiche Verantwortung und Wirksamkeit zugesteht“.

Bettina Stein beklagte, dass das Geschlecht entscheidendes Kriterium für Ämter in der Kirche sei. Das Festhalten an der „Exklusivität des Weiheamtes“ geißelte sie als „klerikalen Machtmissbrauch“ gegen das Heilsversprechen Jesu in dieser existenzgefährdenden Krise.

Pfarrer P. Kalle Lenz SAC stellte Brüche zwischen dem Reich Gottes und dem real-existierenden Katholizismus fest. „Einige Sachen liegen schräg.“ So zitierte er einen Mitbruder mit den Worten: „Die Bischöfe sollen aufhören, so zu tun, als ob ihnen die Kirche gehöre.“ Die ganze Gemeinde sei gefordert. Weihnachten sei nicht das Fest der „Mann-Werdung“, sondern der „Mensch-Werdung“. Madeleine Delbrel habe gesagt: „Es ist nicht klug, wenn wir die Männer alleine lassen.“

Gertraud Tochtermann (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, kfd) beklagte, dass sich viele Hoffnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht erfüllt hätten. Nur durch Veränderungen in der Kirche könne aus dem Mitgliederverlust ein Mitgliederzugewinn werden. Viele weitere Stimmen mahnten konkrete Veränderungen an. Es könne nicht angehen, dass „Schafe“ allein gelassen würden, nur weil keine männlichen Schafe voran gingen.

„Zeichen setzen“ war die Antwort vom Erzbischof auf die vielen Anregungen. „Auch wir in der Kirche pflegen nicht immer einen guten Stil. Wir müssen noch viel lernen.“ Er verwies auf die Berufung einiger Frauen in Leitungsämter des Generalvikariats und auf wieder steigende Priesterweihen. „Wir haben mehr Priesteramtskandidaten als das Bistum Münster.“

Im anschluss an die Statements und die Ausführungen des Erzbischofs kam es unter den teilnehmer*innen zu einem angeregten Austausch.

Walter Plümpe, 03.11.2019

s. auch Pressemitteilung

 

gleich und berechtigt

Die Zeit ist reif, dass Frauen endlich gleichberechtigt die Kirche mitgestalten. Sie sehen das auch so? Unterstützen Sie uns bei unseren Forderungen.

Machen Sie sich mit uns gemeinsam stark für eine Kirche, in der Frauen Zugang zu allen Diensten und Ämtern haben und endlich zu 50 Prozent an allen Entscheidungen beteiligt sind.

Wir sind davon überzeugt: Wenn die katholische Kirche zu den wichtigen Fragen und Themen gehört werden und wenn sie glaubwürdig sein will, muss sie Geschlechtergerechtigkeit vorleben.

Geben Sie uns Ihre Stimme

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Bundesversammlung

Auf der Bundesversammlung, die vom 20. Juni bis 22.Juni 2019 in Mainz statt fand, haben die Delegierten am 21. Juni 2019 das Positionspapier "gleich und berechtigt. Alle Dienste und Ämter für Frauen in der Kirche" einstimmig verabschiedet.

Mit Nachdruck fordert die kfd darin die längst fällige Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche und den Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche.

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Außerdem wurde das Positionspapier "nachhaltig und geschlechterrecht weltweit" verabschiedet.

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Maria 2.0

Frauen und Männer sind der Einladung maria 2.0 gefolgt und kamen am Donnerstag, 16.05.2019 zum Gottesdienst vor die St. Hedwigskathedrale und haben ein wichtiges Zeichen zur Erneuerung der Kirche gesetzt.

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Diözesanversammlung

Am 30.03.2019 kamen 38 Delegierte zur ordentlichen Diözesanversammlung in die Geschäftsstelle der kfd. Auf Grund der Glaubwürdigkeitskrise, die durch das Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche verstärkt wurde, beschäftigten sich die Delegierten mit dem Missbrauchsskandal. Zunächst wurden die Fakten bekannt gegeben und danach im Austausch Lösungsmöglichkeiten zusammengetragen. Wichtige Ergebnisse waren: mit den Betroffenen sprechen, ihnen glauben und sie stärken. Alle, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. sei es in der Familie oder in den verschiedenen Einrichtungen müssen geschult werden und die Kinder müssen über sexuelle Übergriffe aufklärt werden. Das überhöhte Bild des Priesters muss sich ändern. Sie sind durch ihre Weihe keine besseren Menschen.

Am Nachmittag wurde ein neues Leitungsteasm gewählt. Dem Leitungsteam gehören nun an: Christa Drutschmann, Irmgard Königstorfer, Gabriele Kraatz, Angelika Plümpe, Rosemarie Rietz, Maria Schmülling und Angelika Streich.

Verabschiedet wurde Edith Hoppe.Sie hat nicht mehr kandidiert.

Eine Kirche für viele statt heiligem Rest

06.02.2019

Buchvorstellung im Bernhard-Lichtenberg-Haus durch Kathedralforum und Frauengemeinschaft:

„Eine Kirche für viele statt heiligem Rest“ von Erik Flügge und David Holte

BERLIN. „90 Prozent der Kirchenmitglieder nehmen nicht am Gemeindeleben Teil. Sie zahlen nur für den Rest. Kann das wirklich die Idee einer Kirche sein?“ Diese Frage stellte Co-Autor David Holte seinen gut 30 Zuhörern im Bernhard-Lichtenberg-Haus. Bettina Birkner vom Kathedralforum und Angelika Streich von der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands hatten ihn zur Vorstellung seines Buches eingeladen. Zusammen mit Erik Flügge hatte der junge Kölner zum letzten Katholikentag in Münster das Buch geschrieben „Eine Kirche für viele statt heiligem Rest“.

70 Seiten „provokant und subjektiv“, wie er einräumte.

Trotz vieler Belege für einen Glaubensschwund hat Holte das Christentum noch nicht aufgegeben. „Ich glaube noch daran, dass es bestehen kann. Weil das Christentum vielleicht die faszinierendste unter allen Religionen ist. Die eine Religion, die nicht den Sieger feiert, sondern den Gekreuzigten“, las er aus seinem Buch vor.

Den Abend eröffnete er mit einem kleinen gedanklichen Experiment: „Ich möchte mir eine Kirche vorstellen, die 90 Prozent ihrer gesamten zur Verfügung stehenden Mittel für die 90 Prozent ihrer Mitglieder aufwendet, die heute nicht am Gemeindeleben teilnehmen. Die 10 Prozent, die heute alles bekommen, sollen in dieser Kirche den Anteil haben, der ihnen entspricht: ein Zehntel vom Ganzen.“

Was könnte diese Kirche tun, wenn sie all ihr Geld in Personal investieren würde?, fragte er weiter. Und am Ende seiner Zahlenspiele stand ein ganzer Arbeitstag, der pro Haushalt zur Verfügung stünde. „Für die allermeisten wäre das unfassbar viel mehr als alles, was sie jemals mit ihrer Kirche erlebt haben“, resümierte er. „Sehr viel Zeit für alle – außer natürlich für die Wenigen, die seither alles bekommen.“ Die wenigen Kirchenmitglieder, die aktiv am Gemeindeleben teilnehmen, „nehmen alles für sich und teilen nicht gerecht“. Das verstand er nicht als Vorwurf, da die Kirche genau diese Nutzung anbiete.

Für eine Gemeinde mit 5.000 Haushalten ließen sich mit 30 Personen ein Besuch für jeweils zwei Stunden finanzieren, „und das sechs Stunden am Tag, also drei Besuche pro Mitarbeiter pro Tag“. Das ergäbe zusammen 43.200 Besuche, ohne eine einzige Überstunde gesammelt zu haben. Bei 5.000 Haushalten würde jedes Gemeindemitglied sogar über acht Mal besucht. „Beinahe jeden Monat könnte man an der Türe klingeln und sich Zeit nehmen. Nicht nur einen Moment, sondern ganze zwei Stunden lang. Man könnte über Gott und die Welt sprechen und vielleicht genau das werden, wofür sich viel zu viele Menschen heute Therapeuten suchen: Seelsorger.“

Statt in Hausbesuchen stecke das Geld im Unterhalt von Gebäuden, in Diözesanverwaltungen, Universitäten, Struktur und Binnenkultur. „Es steckt überall, nur nicht im Glauben vieler Mitglieder“, beklagte Holte die Privilegien der 10 Prozent. Und diese Minderheit wolle keine Veränderung dieser Situation. Dieses Zehntel der Kirchenmitglieder „weiß sehr genau, dass jede Veränderung zugunsten der anderen Mitglieder zu ihren Lasten geht“. Daher würden die Privilegien hartnäckig verteidigt. „Nichts darf sterben, aber alles im langen Siechtum verweilen.“

Hinter diesem Vorwurf sah der Autor „systemischen Egoismus“ und forderte eine Umkehr des Prinzips vom Abwarten zum Aufsuchen. „Eine Kirche der Vielen, eine Kirche der Zukunft trennt sich von Immobilien und der damit verbundenen Verantwortung. Sie stellt konsequent ein, was nur aus verzweifeltem Festhalten an der Tradition weiter getragen wird.“ Eine Kirche, die weiter bestehen wolle, müsste sich allen ihren Mitgliedern zuwenden, den 100 Prozent und nicht nur weiterhin den 10 Prozent.

Seine provokanten Thesen beendete David Holte mit einem Vorschlag: Postkarten an alle Gemeindemitglieder zu Ostern, handgeschrieben von Mitgliedern. Der Text könnte lauten: „Ostern ist das wichtigste Fest für uns Christen. Wir feiern, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, und hoffen deshalb darauf, dass auch wir von den Toten auferstehen. Sie sind Mitglied in unserer Kirche, und darum wollen wir Ihnen mit dieser Karte Hoffnung machen. Wir glauben, dass Sie auferstehen werden. Herzliche Grüße von Ihrer Kirchengemeinde. Schön, dass Sie bei uns Mitglied sind.“

Walter Plümpe

sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche

Unter dem Motto #MachtLichtAn fordert die kfd die deutschen Bischöfe auf, Licht in das Dunkel der Missbrauchsverfälle zu bringen, verkrustete Machtstrukturen abzuschaffen, unabhängige Missbrauchsbeauftragte einzuetzen und die kirchliche Sexualmoral zu verändern. 

Als Berliner*innen haben wir uns an der Unterschriftenaktion beteiligt und mehr als 50 Postkarten unterschrieben, die der Deutschen Bischofaskonferenz zu ihrer Frühlingstagung übergeben werden.

 Informationen

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung  ist am Sonntag, 03.02.2019 ein offener Brief von Theolog*innen und Prominenten  an Kardinal Marx veröffentlicht worden. Sie fordern, die Veränderung der Strukturen der katholischen Kirche.

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90 Jahre kfd-Bundesverband e.V.

07.10.2018

90 Jahre kfd-Bundesverband e.V.

Berliner kfd-Frauen waren am 06.10.2018 dabei, als im rustikalen Festzelt auf dem Staufenplatz in Düsseldorf das Jubiläum mit einem FrauenFestMahl gefeiert wurde. Aus dem gesamten Bundesgebiet waren 600 kfd-Frauen gekommen, um zu feiern und sich auszutuaschen. Es wurden in verschiedenen Talks verbandspolitsiche, gesellschaftliche und kirchenpolitische Themen mit Gästen aus Politik und Kirche diskutiert. 

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sexueller Missbrauch erschüttert die katholische Kirche

25.09.2018

Die deutschen Bischöfe haben heute auf ihrer Herbstvollversammlung in Fulda die Ergebnisse der Studie über den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Kleriker vorgelegt. Die Studie wurde von ihnen 2014 in Auftrag gegeben. Das Ausmaß und das Versagen im Umgang mit dem sexuellen Missbrauch erschüttert und ist ein Skandal. Zum Schutz der Institution und der betroffenen Priester wurde weg geschaut, verharmlost und geschwiegen. Die erschütternden Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs wie die Wissenschaftler herausgearbeitet haben und der sexuelle Missbrauch kein historisches, sondern ein anhaltendes Problem. Eine weitere Aufklärung und Aufarbeitung ist deshalb dringend erforderlich. Es muss Konsequenzen geben und im Sinne der Betroffenen gehandelt werden. In den Kirchenstrukturen muss es gravierende Veränderungen geben: Die „Männerbünde“ müssen durchbrochen werden. Die gesamte Leitungs- und Ämterstruktur der Kirche muss weiblicher werden. Auf allen Ebenen müssen Frauen und Männer mitentscheiden können. Ein Umdenken in Bezug auf das Priesterbild bedarf einer tiefgreifenden Veränderung. Priester sind nicht Stellvertreter Gottes, sondern Diener.

Die Zeit ist reif. Wann, wenn nicht jetzt.

Angelika Streich

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Mütterrente

Der KDFB und die kfd hat in fünf Wochen über 60000 Unterschriften gesammelt und sie an den Bundessozialminister  Hubertus Heil übergeben.

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Ökumenischer Kongress in Osnabrück

Vom 06.12.-09.12.2017 fand der Ökumenische Kongress in Osnabrück statt, an dem auch die kfd beteiligt war. Weitere Informationen

 

 

Nah dran

Frühjahrsbeilage der kfd-Diözesanberbände Berlin, Erfurt, Dresden-Meißen, Görlitz und Magdeburg zur Mitgliederzeitschrift "Frau+Mutter"

30 Jahre kfd im Osten, 1990 fand in Magdeburg die Gründungsveranstaltung statt.

Eine Kirche, die glaubwürdig sein will, muss Geschlechtergerechtigkeit vorleben. Berliner kfd-Frauen setzen sich für eine Erneuerung der Kirche ein.

Anstehende Veranstaltungen

22.07.2020
DV Berlin, St. Ansgar, Klopstockstr. 31, 10557 Berlin
03.09.2020
DV Berlin, St. Ansgar, Klopstockstr. 31, 10557 Berlin